Sehnsucht nach Ägypten

Nachdem ich also vorläufig nicht zurück kann, werde ich dir hier ein wenig über meine Heimat erzählen. Das hilft vielleicht gegen das Vergessen - gegen die Sehnsucht hilft so-und-so nix.

Iucunda war schon mal in Ägypten. Sie hat mir Fotos gezeigt, die sie dort gemacht hat. All unsere Pracht, unser Glanz und unsere Größe sind futsch. Dahin, begraben im Sand, zerfallen zu Staub. Der Nil fließt noch, aber auch er ist nicht mehr, was er einmal war. Ein paar alte Steine liegen und stehen noch rum aber eigentlich ist alles kaputt. Einige wenige Stücke gibt es noch, die intakt geblieben sind, aber sie haben - wie ich - fast keine magische Kraft mehr. Iucunda sagt, das mache nichts, es wohne ihnen trotzdem ein Zauber inne.

Nun, fürs Erste fange ich wohl mit mir an. Also werde ich dir etwas über die Nilpfede im alten Ägypten erzählen.

Wir waren hoch angesehen und geehrt: niemand durfte uns so ohne weiteres jagen. Nur der Pharao hatte das Recht dazu. Manchmal verlieh er die Erlaubnis dazu als Privileg an Privatpersonen.

Wir waren sogar mal Staatsaffäre: einen König der Hyksos hat das Brüllen der Nilpferde in einem See bei Theben so gestört, dass er vom thebanischen König Seqenenre per Ultimatum Ruhe verlangte. In dieser Sache verstand der König aber keinen Spaß und letztlich wurden die Hyksos vertrieben.


In Gräbern des Mittleren Reiches hat man Nilpferdfiguren aus Fayance - stehend, liegend und brüllend - als Grabbeigaben gefunden.

Die Bemalung des Körpers stellt unsere Umwelt dar: Wasser, Papyrus, Lotos, Vögel und Blumen. Der Lotos ist das Symbol des Lebens und der Wiedergeburt.

Wir wurden wegen unserer Fürsorge für unsere Jungen als natürliche Vertreter der Fruchtbarkeit und des Ewig-Weiblichen angesehen.

So wurde die Göttin Toeris, die Gebärende und Stillende schützt, zum Teil in Gestalt eines Nilpferdes dargestellt. Sie wurde hauptsächlich von einfachen Leuten verehrt und darum glauben die Ägyptologen heute, die alten Ägypter hätten Tiere angebetet.

Das stimmt natürlich nicht: sie haben nur erkannt, dass sich das Göttliche in allem Geschaffenen manifestiert und darum wurden bestimmte Eigenschaften von Tieren als Aspekte des Göttlichen verehrt, als Erscheinungsformen göttlicher Macht.

Hinter aller Vielfalt und allen Ausdrucksformen aber stand immer nur der Eine, der aus dem alles kommt, der zu dem alles geht.

Nun, vielleicht ist alle Sehnsucht, die uns treibt, letzlich nur auf ein Ziel gerichte: dorthin zurückzukehren, woher wir kamen.

Aber wer sind wir, woher kommen wir und wohin gehen wir?

Chäfer

Tempel



Nil



Enten



Schlüssel



Nilpferd-Fayance: Replik



Toeris

Externer Link:

Nilpferd zoologisch
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