trag-bar

Seltsam ist's mit dieser deutschen Sprache!

Da kann man ein Wort durch alle Vorsilben hetzen und jedesmal ändert es etwas von seiner Bedeutung. Soweit ich es gelernt habe, bedeutet das Wort "tragen" , wenn es bar jeglicher Vorsilbe ist, etwas aufnehmen und von einem Ort an einen andern bringen. Aber - und jetzt kommt's:

ab- tragen  kann man Häuser oder auch etwas, das materiell gar nicht vorhanden ist und trotzdem schwer wiegt: Schuld. (Schulden übrigens sind materiell sehr wohl vorhanden und werden nicht abgetragen sondern zurückgezahlt - was mit Schuld eigentlich nicht geschieht.)




an- tragen   kann ich einer schönen Nilpferd-Dame die Heirat oder einem aufsässige Nebenbuhler Ohrfeigen.




auf- tragen   kann ich ein opulentes Mal oder Farbe, aber auch dicker Stoff kann das auf den Hüften tun, dann macht er dick - was übrigens auch das opulente Mal kann.




be- tragen   kann man sich gut oder schlecht, das meint eigentlich be-nehmen obwohl man beim Benimm nichts nimmt. Das soll einer verstehen!




er- tragen   kann man vieles: lästige Nachbarn, laute Musik, Kälte oder Krankheit. Aber es ist immer etwas Negatives, dass da er-tragen werden muss. Freude braucht man nicht zu ertragen, die hat man. Er-tragen bedeutet also, dass ich es nicht weglegen kann. Ob ich will oder nicht, tragen muss ich es. Und noch dazu, wo ich es gar nicht freiwillig genommen habe!




ge- tragen   kannst du werden, wenn dich jemand rum trägt ("Rum tragen" ist wieder was anderes!) Es gibt aber auch Dinge, die getragen sind: Musik zum Beispiel - dafür wird sie auch nicht getragen, sondern dann muss da noch ein "vor" davor.




mit- tragen   kann ich einen Regenschirm oder Verantwortung: jetzt verstehe ich endlich,warum sich manche so vor Verantwortung drücken: sie wissen einfach nie, ob's regnen wird.




nach- tragen   werde ich es dir nicht, wenn du mal nicht nett zu mir bist, aber wenn du deine Handtasche bei mir liegen läßt, werde ich die dir schon nachtragen. Da haben wir es wieder: materielle Dinge kann ich jemandem nachtragen indem ich das Nachtragen tue - nichtmaterielle Nachtragen ist aber ein zu Seiendes (alte Nil-Filosofie).




ver- tragen   tut man nicht alles: man kann Essen nicht vertragen, dann wird einem schlecht. Wenn man Essen aber verträgt, heißt dass nicht etwa, man nimmt es und teilt es irgendwo in der Gegend herum, sondern es heißt, dass man nicht kotzen muss (sagt Iucunda). Vertragen bedeutet aber auch, dass man sich nicht streitet. Es kann aber auch sein, dass man etwas aufnimmt und irgendwohin trägt, wo man es dann läßt. Vögel z.B.: vertragen Samen wenn sie, dass was sie gegessen haben irgendwohin schei***. (Wenn Menschen das machen, nennt man es nicht "vertragen" sondern eine Sauerei.)




vor- tragen   tut man wenn, man mehr oder weniger lange vor einer mehr oder weniger großen Menge spricht über ein mehr oder weniger eindeutiges Thema und sich die Zuhörer mehr oder weniger langweilen. Wenn man einen Gegenstand nimmt und diesen vor einem anderen herträgt, dann packt man noch eine Vorsilbe drauf: "vor-an tragen" - was mit dem obigen "antragen" aber auch gleich garnix zu tun hat.




zu- tragen   tut sich was, wenn sich was ereignet, z.B.: man biegt wie ich bei einer Zeitreise falsch ab. Aber wenn mir etwas zugetragen wird, kann das auch ein Gerücht sein. Wie zum Beispiel jenes, dass ellenlangen Text im Internet eh keiner liest. Darum ist jetzt Schluß mit der Tragerei.

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